KreisFeuerwehrVerband

Erlangen-Höchstadt e.V.

Übungen

Gefahrstoffaustritt am Sonntagmorgen

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Höchstadt/Aisch(DB5): Ein Szenario, welches die Feuerwehren heute immer wieder beschäftigt, wurde den Kräften am Sonntagmorgen den 25. November in Höchstadt / Aisch abverlangt.

Ein Gefahrstofftank auf einem LKW wurde beim Beladen mit einem Gabelstapler beschädigt und schlug Leck. Es kam zum Austritt der gefährlichen Flüssigkeit, wonach 2 Personen verletzt wurden und in unmittelbarer Nähe des Geschehens liegenblieben. Nach dem Alarmstichwort Glossary Link THL CHEMIE / ABC 3 wurde eine Gesamtübung abgehalten, bei der die disponierten Kräfte der Feuerwehr in Anlehnung des Alarmplans eingesetzt wurden. Zugführer Matthias Hoffmann und Justus Pohle von der FF Höchstadt / Aisch planten diese Einsatzübung, welche sehr realistisch dargestellt und durchgeführt wurde. Ein ausführliches Datenblatt für den angenommenen Stoff erstellte hierzu Glossary Link KBM Gefahrgut Dieter Püttner.

Auch die Dispogruppe-Dekon-E aus Eckental, bestehend aus den Feuerwehren Forth und Fronhof wurden für diese Übung mit eingebunden. Das nötige Equipment für die Dekontamination von Einsatzkräften, sowie die routinierte Kenntnis über die Einsatzmittel, hat diese stationierte Fachgruppe als eine der ergänzenden Einheiten für den Gefahrgutzug des Landkreises. Ebenso ein ABC-Fachberater stand zur Verfügung, welcher die Einsatzleitung mit dem nötigen Fachwissen über Gefahrstoffe vor Ort versorgt und beratend zur Seite steht.

Die Alarmfahrt wurde in Anlehnung eines Ernstfalls dargestellt, wobei die örtliche Feuerwehr als Erste mit dem Einsatzleitwagen und zwei Hilfeleistungs-Löschfahrzeugen, sowie dem Rüstwagen und dem Tanklöschfahrzeug Glossary Link TLF 20/40 SL mit Sonderlöschmitteln anrückte.

Das oberste Gebot nach dem Alarmstichwort ist es, beim Eintreffen am Einsatzort einen Mindestabstand von 50m zur Unfallstelle einzuhalten, da verschiedenste Faktoren in der Regel noch unklar sind, wonach bereits bei der Erkundung auf den Eigenschutz geachtet werden muss. Beispielsweise die Windrichtung kann eines der zu beachtenden Gegebenheiten darstellen.
Die Ausbreitung der gefährlichen Stoffe kann durch Flüssigkeiten oder Dämpfe teils geruchlos und unsichtbar erfolgen, wonach auch für die Einsatzkräfte ein gewisser Abstand während der Erkundung von Nöten ist.

Einsatzleiter Oliver Feuerlein schaffte sich einen kurzen Überblick über die Lage und lies zuerst weiträumig absperren. Der Gruppenführer des ersten Löschfahrzeugs Dieter Püttner endsandte einen Erkundungstrupp unter schwerem Atemschutz, was für den Erstangriff das Mindestmaß an Eigenschutz darstellt. Nach dem Einsatzbefehl erstellte der Rest der Besatzung eine sogenannte Not-Dekon, welche dafür sorgt, dass Einsatzkräfte, die mit dem Gefahrstoff konfrontiert bzw. kontaminiert wurden, an der Absperrgrenze wieder von Schadstoffen befreit und gereinigt werden. Auch das entstehende Abwasser muss dabei sorgfältig aufgefangen werden.
Trotz des erheblichen Aufwands bei Gefahrguteinsätzen im Umgang mit Mannschaft und Gerät, ging dies zügig von statten.
Zeitgleich sorgte die Besatzung des Tanklöschfahrzeugs aus westlicher Richtung für den nötigen Brandschutz in Form von Schaum-Wasser-Gemisch und der Vorhaltung von Sonderlöschmitteln.

Nachdem der Angriffstrupp des Glossary Link HLF die Lage von der Nähe aus begutachtete, konnte dieser rasch eine der beiden bewusstlosen Personen in Form einer Übungspuppe retten. Zudem wurde eine Gefahrentafel gesichtet, welche wichtige Hinweise über die Beladung bzw. den austretenden Stoff gibt. Diese Information wurde gleichermaßen an die Einsatzleitung weitergegeben, welche den Stoff und dessen Gefahren, sowie den Umgang analysierte.

Es handelte sich um den farblosen, brennbaren und gesundheitsgefährdenden Stoff Amylacetat, der jedoch olfaktorisch wahrnehmbar ist.

Dementsprechend hatte sich inzwischen ein weiterer Trupp mit CSA Form III ausgerüstet, der den größten Schutz bietet. Der Trupp hatte die Aufgabe die Leckage abzudichten und die Kanalisation vor der auslaufenden Flüssigkeit zu Schützen. Hierfür wurden Gulli- und Leckdichtkissen eingesetzt. Auch das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg und der Leiter der örtlichen Kläranlage waren zur Stelle, um zusammen mit der Feuerwehr Maßnahmen gegen die Ausbreitung und Gefahren für die Umwelt zu erörtern. Simuliert wurde bei der Übung die Nachforderung weiterer Einheiten der Feuerwehr, die Träger von Chemikalienschutzanzügen CSA stellen sollten. Auch Kräfte der ständigen Wache aus Erlangen wären im Ernstfall disponiert und könnten mit Mannschaft und Gerät unterstützen.

Die Dekontaminations-Einheit der Feuerwehren Forth und Frohnhof erstellten in kurzer Zeit nach Ihrer Ankunft die nötige Dekon-Straße mit einem Duschzelt, in dem CSA-Träger nach dem Einsatz ganzheitlich mit einer Seifenlösung und Trinkwasser regelrecht abgeduscht werden. Ein Trupp sogenannter „Schmutzigmänner", die ebenfalls mit Maske und Filter, sowie Schutzanzügen Form I ausgerüstet sind, unterstützten die eingesetzten Kräfte beim Reinigen und Ablegen der schweren Schutzausrüstung. Bei den Gegebenheiten um die 3°C Außentemperatur wäre es auch möglich eine Warmwasseraufbereitung zu generieren, mit der eine potenzielle Frostgefahr um diese Jahreszeit eingedämmt werden kann. Hierzu wäre der Dekon-P, der in Herzogenaurach stationiert ist, zur Stelle.

Für die gesamte Einsatzzeit nahm der Einsatzleitwagen der FF Höchstadt / Aisch die Dokumentation vor und sorgte zudem für einen Kanalisationsplan der Umgebung, um beispielsweise den Verlauf des betroffenen Kanalzulaufs nachzuverfolgen. Auch das Oberflächenwasser wurde fiktiv kontrolliert, da die Bindlach in nicht unbedenklicher Entfernung entlangfließt. Das Wasserwirtschaftsamt arbeitete hierbei ständig eng mit der Feuerwehr zusammen.

Kreisbrandrat Matthias Rocca begleitete den Übungsverlauf, der während des Geschehens von mehreren Beobachtern kritisch dokumentiert wurde.

Als das Einsatzziel der Menschenrettung, sowie das Stoppen der Ausbreitung und Umpumpen der Flüssigkeit in entsprechende Behältnisse abgeschlossen war, galt die Übung als beendet.

Eine gemeinsame Manöverkritik brachte allen Kameradinnen und Kameraden ein Feedback für die geleistete Arbeit.

Alles in Allem eine gelungene Übung mit wertvoller Effektivität, um für solche Einsatzlagen gut gewappnet zu sein.

Text/Bilder: Sebastian Weber, Pressesprecher Kreisbrandinspektion ERH

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