KreisFeuerwehrVerband

Erlangen-Höchstadt e.V.

Einsatzberichte des KFV

Dachstuhlbrand nach Blitzschlag

Niederlindach. So mancher Feuerwehrmann atmete wohl gerade auf, als am 23.Mai um Punkt 18:00 Uhr die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes für den Landkreis Erlangen-Höchstadt aufgehoben worden war. Doch exakt eine Minute später heulten die Sirenen im Seebachgrund und riefen die Meldeempfänger die Einsatzkräfte zu einem Brand, der bis zum Schluss rund 150 Kräfte von Feuerwehr, THW, Rettungsdienst und Polizei vor große Herausforderungen stellen sollte:

In Niederlindach hatte ein Blitz mit einem lauten Knall in ein Wohnhaus eingeschlagen. Sofort drang Zeugenaussagen zufolge dichter Rauch auf ganzer Länge aus dem Dach. Die alarmierten Feuerwehren aus Hesselberg, Heßdorf, Ober-/Mittel-/Untermembach, Großenseebach und Herzogenaurach, die ebenso wie Rettungsdienst und Polizei wenige Minuten später eintrafen, mussten sich erst Zugang in das Haus verschaffen, da niemand zu Hause war.

Unter Atemschutz ging ein Trupp zur Erkundung in das offen und galerieartig ausgebaute Dachgeschoß des relativ neuwertigen Wohnhauses vor, während weitere Einsatzkräfte über eine tragbare Leiter und die Drehleiter der Feuerwehr Herzogenaurach begannen, das Dach zu öffnen, um von außen an das Feuer, dass sich in der Wärmedämmung, in der Dachschalung sowie quer durch das Gebäude in einem Zwischenboden ausbreitete, heranzukommen und abzulöschen. Durch die verwinkelte Lage des Gebäudes in einem Neubaugebiet mit engen Zufahrtsstraßen konnte vom zu diesem Zeitpunkt einzig möglichen Aufstellplatz der Drehleiter jedoch nur ein begrenzter Teil der Dachfläche erreicht werden. Zugleich wurde durch die bereits Ort befindlichen Wehren die Wasserversorgung über mehrere Hydranten in der Umgebung sicher- und für Drehleiter sowie mehrere vorgenommene Strahlrohre bereitgestellt.

Stellvertretender Kreisbrandrat Stefan Brunner, der ebenso wie Kreisbrandinspektor Manfred Schattan sofort an die Brandstelle gekommen war, unterstützte den Einsatzleiter, 1.Kommandant Peter Bock aus Heßdorf, bei seiner Tätigkeit und veranlasste nach einer eingehenden Lageerkundung frühzeitig eine Gliederung der Brandstelle in verschiedene Einsatzabschnitte, die zunächst von Führungskräften aus den vor Ort befindlichen Wehren geleitet wurden. Zeitgleich erfolgte eine Alarmstufenerhöhung, da abzusehen war, dass mindestens eine weitere Drehleiter und Atemschutzgeräteträger benötigt werden würden. Somit wurden zusätzliche Kräfte der Feuerwehren Herzogenaurach, Erlangen, die Drehleiter und der Einsatzleitwagen der Unterstützungsgruppe "Örtliche Einsatzleitung" aus Baiersdorf, weitere Führungskräfte und Fachberater der Kreisbrandinspektion, der Fachberater des THW-Ortsverbandes Baiersdorf sowie die Schnelleinsatzgruppe "Betreuung" des BRK Erlangen an die Einsatzstelle beordert, im weiteren Verlauf dann auch zusätzlich noch die FF Weisendorf sowie ein Unimog-Kran und und ein Gerätekraftwagen des THW.

Zahlreiche Nachbarn räumten in der Zwischenzeit ihre Hofeinfahrten, um den Rettungskräften Platz für ihre Arbeit zu schaffen. Zwar beobachteten viele Bürger das Geschehen, es kam jedoch zu keinen nennenswerten Behinderungen der Einsatzkräfte. Vielmehr wurden diese auf Anfrage durch die Anwohner unterstützt und zum Teil auch mit Getränken versorgt. In einer wahren Millimeterarbeit gelang es dem Maschinisten der Drehleiter aus Baiersdorf dabei, sein Fahrzeug rückwärts durch die schmale und kurvige Einfahrt eines Nachbarhauses so nah an das Brandobjekt heranzubingen, dass ein Großteil der Rückseite des Daches erreicht und mittels eines C-Rohrs vom Rettungskorb aus eine größere Ausbreitung der Flammen über den Dachfirst hinweg erfolgreich verhindert werden konnte. Die Drehleiter wurde dazu vom Großtanklöschfahrzeug der FF Herzogenaurach mit einem Schaum-Wasser-Gemisch gespeist, das eine anhaltendere Löschwirkung als Wasser zeigte. Das Gleiche wurde dann auch von der Drehleiter auf der vorderen Dachseite aus praktiziert, so dass zumindest die Brandausbreitung im Bereich der Dachschalung relativ schnell gestoppt werden konnte. Eine sehr große Hilfe war dabei der wendige Unimog-Kran des THW-Ortsverbandes Baiersdorf: Dieser konnte durch den Hof eines weiteren Nachbaranwesens, der zuvor unkompliziert in Absprache mit den Eigentümern von dort gelagerten Baumaterialien geräumt worden war, direkt vor das Brandobjekt rangiert werden. Von dessen Arbeitskorb aus konnten alle bis dato unzugänglichen Dachbereiche abgedeckt und von den beiden Drehleitern aus dann die freigelegten brennenden oder glimmenden Flächen schnell abgelöscht werden. Zugleich wurden die zugänglichen Bereiche, soweit möglich, auch gleich von nassem Brandschutt befreit und die Einsatzstelle bei zunehmender Dunkelheit mit einem großen Lichtmast sowie einem Beleuchtungsballon großflächig erhellt.

Zur Entlastung von Einsatzleiter Peter Bock setzte Stellv. Glossary Link KBR Stefan Brunner eine Führungsgruppe, bestehend aus mehreren anwesenden Dienstgraden und Fachberatern der Kreisbrandinspektion ein, die zum Einen weitere Abschnittsleitungen übernahmen sowie sich zusammen mit der Unterstützungsgruppe "Örtliche Einsatzleitung" im Hintergrund um organisatorische Dinge kümmerte, die Zusammenarbeit mit THW, Rettungsdienst und Polizei koordinierte, sämtiche Einsatzmaßnahmen dokumentierte und die Presse mit Informationen versorgte.

Durch die zwischenzeitlich eingetroffene Glossary Link SEG Betreuung wurde die Versorgung der Einsatzkräfte, von denen die meisten seit Mittag nichts mehr zu sich genommen hatten, mit kalten und warmen Getränken sowie Verpflegung sichergestellt. Den zahlreichen, sich ständig abwechselnden Atemschutztrupps von Feuerwehr und THW wurde ausreichend Mineralwasser als Flüssigkeitsersatz für die anstrengenden Arbeit bei anhaltend unangenehm feuchtwarmer Witterung und im aufgeheizten Dachgeschoß zur Verfügung gestellt. Durch die Feuerwehr Herzogenaurach wurden zusätzlich benötigte Atemschutzgeräte aus der Atemschutzwerkstatt des Landkreises ausgegeben und gebrauchte Geräte zur Aufbereitung mitgenommen.

Problematisch stellte sich die Situation weiterhin im Bereich der glimmenden Zwischendecke im Dachgeschoß dar, die nach einer gewissen Branddauer als einsturzgefährdet betrachtet werden musste: Bei einer der regelmäßigen Lagebesprechungen der Einsatzleitung wurde deshalb dann beschlossen, nach der Herstellung der Spannungsfreiheit für das Mehrfamilienhaus durch einen Mitarbeiter des Stromversorgers die in Trockenbauweise erstellten Decken der darunter befindlichen Räume von unten komplett zu offnen und abzulöschen. Dies führte dann ebenfalls relativ zügig zu weiteren Erfolgen in der Brandbekämpfung, so dass gegen 22:30 Uhr Rauchfreiheit im Gebäude bestand und sich die Einsatzleitung bei einer Begehung der Räume selbst ein Bild von der Situation im Dachgeschoss machen konnte. Herausgesprengte Steckdosen in der Dachgeschoßwohung zeugten dabei von der Gewalt, mit der der Blitz offensichtlich in das Gebäude eingeschlagen hatte. Nun konnte auch "Feuer aus" an die Leitstelle gemeldet werden.

Nach der Festlegung der notwendigen Folgemaßnahmen für die anschließende Brandwache durch die Feuerwehren Heßdorf, Hesselberg und Ober-/Mittel-/Untermembach wurden die überörtlich angerückten Wehren, die Führungsgruppe der Einsatzleitung und im weiteren Verlauf auch das THW aus dem Einsatz herausgelöst. Durch Beamte der Polizeiinspektion Herzogenaurach wurde noch während der laufenden Löscharbeiten mit den Ermittlungen zur Brandursache und zur Schadenshöhe aufgenommen, wobei hier natürlich noch keine endgültigen Aussagen getroffen werden konnten, der Schaden am Dachgeschoß des vorübergehend nicht bewohnbaren Gebäude allerdings deutlich im sechsstelligen Bereich liegen dürfte. Zwei Feuerwehrleute erlitten während des Einsatzes eine leichte Verletzung bzw. Kreislaufprobleme und wurden vor Ort ambulant durch Notarzt und Rettungsdienst versorgt. Ihnen wünschen wir eine schnelle Genesung.

Im Einsatz: FF Heßdorf: HLF20, LF16/12, GW, MTF;

FF Baiersdorf: DLA(K) 23-12 CS

FW Erlangen: TLF20/40

FF Großenseebach: LF10/6, LF8;

FF Hesselberg: TSF-W;

FF Herzogenaurach: HLF20, DLA(K)23-12, TLF4000, GW-L2, V-LKW zur Atemschutzversorgung;

FF Ober-/Mittel-/Untermembach: LF10, Glossary Link MZF;

FF Weisendorf: HLF20, LF8/6, MZF;

Kreisbrandinspektion: Stv. KBR S.Brunner, Glossary Link KBI M. Schattan, Glossary Link KBM C. Bühl, KBM J. Hammerl, KBM J.Hofmockel, FB ABC P. Sorger, FB EDV H.Werner, ELW2 UG-ÖEL; THW-OV Baiersdorf: Fachberater THW, Unimog-Kran, GKW1, MTW;

Rettungsdienst: Notarzt, 2 Glossary Link RTW, Einsatzleiter Rettungsdienst, SEG Betreuung;

Polizei: Glossary Link PI Herzogenaurach, Kriminaldauerdienst;

Energieversorger

Seitens der Feuerwehrführung des Landkreises darf ich allen beteiligten Einsatzkräften von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Rettungsdienst und Polizei für die engagierte, professionelle und zielführende Arbeit sowie für das sehr gute und konstruktive Miteinander ein ganz großes Dankeschön aussprechen. Auch bei den den Anwohnern darf ich mich für Ihre tatkräftige Unterstützung der Einsatzkräfte und Bereitstellung von Flächen für die Einsatzmittel sowie Getränken für die Helfer ganz herzlich bedanken. Sie alle haben an diesem Abend ein beispielhaftes bürgerliches Engagement bewiesen!

Stefan Brunner Kreisbrandinspektor Stellvertretender Kreisbrandrat des Landkreises Erlangen-Höchstadt