KreisFeuerwehrVerband

Erlangen-Höchstadt e.V.

Einsatzberichte des KFV

Gefahrstoffaustritt, Trucker eingeklemmt

Höchstadt a.d.Aisch (DB5). Nach einem schweren Verkehrsunfall mit zwei beteiligten LKW war die BAB3 in Fahrtrichtung Nürnberg am Dienstagabend in Fahrtrichtung Nürnberg zwischen dem Rasthof Steigerwald und der Anschlussstelle Höchstadt-Nord mehr als drei Stunden total gesperrt. Zum Einen musste einer der Brummi-Lenker mit großem technischen Aufwand aus seinem total deformierten Führerhaus befreit werden, zum Anderen trat aus dem anderen LKW eine säurehaltige Flüssigkeit aus.

Am 17.01.2017 um 18:44 Uhr alarmierte die Integrierte Leitstelle Nürnberg die Feuerwehren Adelsdorf, Höchstadt a. d. Aisch und Wachenroth, den Einsatzführungsdienst, Notarzt und Rettungsdienst zu einem Verkehrsunfall mit mehreren LKW auf der BAB3. Aufgrund des gemeldeten Schadensbildes wurde zusätzlich auch die Feuerwehr Schlüsselfeld aus dem Nachbarlandkreis Bamberg mit angefordert.

Beim Eintreffen an der Einsatzstelle stellte sich heraus, dass ein türkischer Sattelzug, beladen mit Stückgut, Paletten und Fässern, aufgrund der Verkehrslage hatte abbremsen müssen. Der Fahrer eines nachfolgenden, mit Kunststoffgranulat beladenen Silozuges aus Belgien hatte dies wohl zu spät bemerkt: Er hatte zwar noch versucht, auf die Standspur auszuweichen, war aber trotzdem mit großer Wucht gegen die hintere rechte Ecke des türkischen Planenaufliegers geprallt. Dabei riss das Führerhaus ab und wurde mit großer Gewalt um rund 45 Grad auf dem Fahrgestell herumgedreht, wobei der Trucker mit seinen Beinen im Bereich der Lenksäule eingeklemmt wurde.

Mitarbeiter der Autobahnmeisterei sicherten die Einsatzstelle bis zum Eintreffen der Rettungskräfte, die unter der Einsatzleitung von 2. Kdt. Rudolf Löhner (FF Höchstadt) tätig wurden, ab. Der verletzte Fahrer wurde von der Feuerwehr Wachenroth, unterstützt durch die FF Höchstadt, mit hydraulischen Rettungsgeräten nach aufwändiger Arbeit aus seinem Fahrzeugwrack befreit und nach der notärztlichen Erstversorgung vom Rettungsdienst in eine Klinik gebracht.

Bei der Kontrolle des vorausfahrenden LKW´s stellten die Einsatzkräfte fest, dass im Bereich der hinteren Achse des Aufliegers eine unbekannte Flüssigkeit von der Ladefläche tropfte. Aus diesem Grund wurde der Fachberater „Gefahrgut“ des Landkreises Erlangen-Höchstadt, Glossary Link KBM Dieter Püttner, nachalarmiert,  unterstützt von seinen Gefahrgutteam-Mitarbeitern Wolfgang Peehs und Patrick Sorger, die sich "backoffice" um die Informationssammlung zu dem betreffenden Gefahrstoff kümmerten. Die umgehend eingeleitete Recherche anhand der Ladungspapiere sowie per E-Mail durch die Lieferfirma zur Verfügung gestellte Sicherheitsdatenblätter ergab, dass es sich um eine zur Gerbung verwendete Flüssigkeit, eingesetzt in der Leder- und Pelzindustrie handelte. Interessanterweise ist diese Flüssigkeit nach den aktuellen Vorschriften beim Transport nicht als Gefahrgut kennzeichnungspflichtig. Deshalb war es für die Einsatzkräfte auch zunächst nicht ersichtlich, dass der LKW gefährliche Güter geladen haben könnte. Als sehr wertvoll stellte sich bei der Datensammlung hier die Kommunikationsausstattung des neuen Einsatzleitwagens der FF Höchstadt heraus, mit dem eine drahtlose Datenübertragung vom Hersteller des Gefahrstoffs via Internet möglich war, u.a. über drei Mobiltelefon parallel gearbeitet werden konnte und auch die Einsatzdokumentation technisch bestens unterstützt wurde, z.B. Erstellung von Dokumenten und Arbeitsunterlagen mit dem vorhandenen Farbdrucker.

Um ein Eindringen in den Boden sowie den Kontakt mit Einsatzkräften und –mitteln zu verhindern, wurde der ausgelaufene Teil der Flüssigkeit von den Kollegen der Feuerwehr Adelsdorf, die sich mit schwerem Atemschutz und Chemikalienschutzkleidung ausgerüstet hatten, gebunden. Gleichzeitig wurden im unmittelbaren Gefahrenbereich Messungen der Umgebungsluft durchgeführt, die jedoch keinen Anlass zu Bedenken gaben. Der Einsatz der rund 50 Feuerwehrleute wurde dabei durch den Rettungsdienst medizinisch abgesichert.

Nachdem der türkische LKW noch fahrbereit war und die Autobahn aufgrund des Staus möglichst schnell geräumt werden musste, wurde er unter Begleitung durch die Feuerwehr anschließend zum nächsten, inzwischen leeren Rastplatz gebracht, wo durch das THW aus Baiersdorf die havarierte Ladung geborgen und in einen dichten Behälter umgeladen wurde. Dies zog sich bis in den frühen Morgen hin. Die Einsatzkräfte wurde aufgrund der frostigen Außentemperaturen u.a. mehrmals mit Heißgetränken versorgt, nach sechs Stunden Einsatz erfolgte ein Personalaustausch bei der FF Höchstadt.

Nach dem Abtransport des belgischen Lastzugs durch ein Bergungsunternehmen, der fachgerechten Aufnahme des Gefahrguts und der notwendigen Fahrbahnreinigung konnte die Sperre der Autobahn bereits in den späten Abendstunden wieder aufgehoben werden.

Für die Feuerwehr Höchstadt a.d.Aisch endete der Einsatz um 05.45 Uhr mit der Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft.

 

Im Einsatz:

122 Helfer von

- Feuerwehr Adelsdorf: HLF20

- Feuerwehr Höchstadt: ELW1, HLF20, Glossary Link RW, TLF16/25, LF16-TS, Verkehrssicherungsanhänger, Mehrzweckanhänger

- Feuerwehr Wachenroth: LF16/12, GW-Logistik

- Feuerwehr Schlüsselfeld: RW2, Glossary Link MZF

- Kreisbrandinspektion: Glossary Link KBR Rocca, Glossary Link KBI Johna, KBM Kauppert, KBM Püttner, KBM Brunner

- THW-OV Baiersdorf: MZF, GKW, Unimog-Kran

- Rettungsdienst: Glossary Link NEF, 3 Glossary Link RTW, Einsatzleiter Rettungsdienst

- Polizei: Mehrere Streifenfahrzeuge VPI Erlangen

- Umweltamt (Landratsamt Erlangen-Höchstadt), Autobahnmeisterei, Bergungsunternehmen, Entsorgungsunternehmen

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Text und Bilder: KBM Stefan Brunner, Pressestelle KFV ERH e.V.